Von Barrierefreiheit keine Spur - Bahn muss handeln

Pascal Albers (Sozialausschussvorsitzender Stadt Papenburg), Ursula Mersmann (Behindertenbeauftragte Kreis Emsland), Gitta Connemann (Mitglied des Bundestages) und Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft fordern die Bahn auf, den Aufzug am Papenburger Bahnhof endlich nachhaltig zu reparieren.

Die Emotionen kochen hoch an diesem Freitagnachmittag. Der Grund ist der Bahnhof in Papenburg, genauer gesagt die Fahrstuhlanlage, die die Gleise 1 und 2 miteinander verbindet. „Als vor gut vier Jahren der Bahnhof in unserer Stadt umgebaut wurde, hat man 2,3 Millionen Euro in die Barrierefreiheit investiert. Das Ergebnis ist leider ein schlechter Witz“, wird Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft deutlich. Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann, der Behindertenbeauftragten des Landkreises Emsland, Ursula Mersmann, und dem Vorsitzenden Sozialausschusses der Stadt, Pascal Albers steht er auf dem Bahnsteig und deutet in Richtung der 2013 gebauten Treppen- und Aufzugsanlage.


„Seitdem dieser Aufzug in Betrieb ist, gibt es Probleme. Immer wieder fällt der Aufzug aus, bleibt stecken oder die Türen öffnen sich gar nicht erst“, sagt Bechtluft. „Die Folge ist, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Rollstuhlfahrer oder auch ältere Menschen nicht die Gleise wechseln können und so ihre Züge verpassen oder nicht zum Parkplatz gelangen.“ Auf die mehrfachen Hinweise hatte die Bahn vor zweieinhalb Jahren bereits Abhilfe versprochen. „Die Stadt hatte als kurzfristige Verbesserung sogar vorgeschlagen, den alten, ebenerdigen Notübergang wieder herzustellen. Die Bahn hat dies allerdings abgelehnt. Auf diese Hinweise hin sich bislang an der schlimmen Situation nichts gebessert“, so Bechtluft. Auch Ursula Mersmann pflichtet bei: „Was die Deutsche Bahn den Menschen mit Behinderungen oder Mobilitätseinschränkungen hier antut, macht mich wirklich fassungslos. Wer in Papenburg aussteigen will, wenn der Fahrstuhl defekt ist, muss entweder erst nach Aschendorf, Leer oder Meppen fahren, dort den Zug wechseln und dann hier auf Gleis 1 wieder ankommen.“


„Eigentlich sollte der Papenburger Bahnhof durch die Sanierung zur Visitenkarte der Stadt werden. Das Gegenteil ist leider der Fall. Von Barrierefreiheit ist keine Spur. Ältere Menschen mit Koffern und Eltern mit Kinderwagen müssen 48 Stufen bewältigen. Rollstuhlfahrer müssen getragen werden oder den ,Umweg‘ über Aschendorf nehmen. Das ist unhaltbar und entwürdigend“, pflichtet auch Gitta Connemann bei. Sie hat sich deshalb bereits mit der Bahn in Verbindung gesetzt. „Der Bahn-Mutterkonzern hat das Problem jetzt erkannt. Mir ist heute direkt zugesichert worden, dass die Deutsche Bahn nun ihre Hausaufgaben macht“, sagt Connemann weiter. Die technischen Voraussetzungen würden so schnell als möglich ordnungsgemäß hergestellt werden. „Die Bahn hat auch bereits gehandelt und den Ankündigungen Taten folgen lassen. Es wurde bereits eine technische Generaluntersuchung in Auftrag gegeben. Zudem sollen als

Sofortmaßnahme die empfindlichen Bauteile im Sicherungskreis der Schacht-türen ausgetauscht werden“, erklärt die Bundestagsabgeordnete. „Wenn die technische Untersuchung abgeschlossen ist, sollen auch sofort weitere Mängel, wenn vorhanden, behoben werden.“ Weitergehende Probleme wie durch Vandalismus müssten in einem Gespräch zwischen dem Bahn-Mutterkonzern und der Stadt Papenburg vor Ort geklärt. „Dann müssen die Probleme aber auch gelöst sein. Denn die Kunden der Bahn haben einen Anspruch auf einen barrierefreien Zugang zu den beiden Gleisen – auch in Papenburg.“


Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft freut sich über die schnelle Reaktion der Bahn, bleibt aber skeptisch. „Bereits im November vor drei Jahren hatte ich einen umfangreichen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn Station & Services gesendet und auf die unzumutbaren Zustände hier hingewiesen.“ Damals wurde von der Bahntochtergesellschaft „Station & Services“ zugesichert, das Problem nachhaltig zu lösen. „Es ist aber nichts geschehen. Wenn die Bahn-Muttergesellschaft nun eine Zusage abgibt, die Anlage endgültig zu reparieren, dann müssen dieser Ankündigung auch Taten folgen“, redet sich Bechtluft in Rage.


„Sollte diese Zusage nicht eingehalten werden, müssen wir dann auch prüfen, wie man den Konzern zwingen kann, hier Barrierefreiheit zu schaffen“, pflichtet auch Pascal Albers bei. „Ich bin zwar selbst kein besonders intensiver Nutzer der Bahn, habe es aber auch schon erlebt, wie die Menschen hier verzweifelt vor der defekten Fahrstuhlanlage gestanden haben“, sagt Albers wütend. Bürgermeister Bechtluft fügt hinzu: „Erst am Mittwoch musste jemand aus dem Fahrstuhl befreit werden, der darin stecken geblieben war. Zuvor war die Anlage sogar fast zwei Wochen ganz ausgefallen, bevor die Bahn-Technik hier tätig geworden ist.“ Solche Ausfallzeiten sind keine Seltenheit, so Albers und Bechtluft weiter. „Diese Missstände sind auch immer wieder Thema in der Lokalpresse. Anfang 2016 hatten wir sogar eine Sperrzeit des Fahrstuhls von mehr als drei Wochen“, sagt Albers.


Aus Hannover meldet sich dazu auch Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann. Er zeigt sich erbost: „Die Bahn ist ein Staatskonzern und muss an das Interesse der Bürger denken. Die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft hat 2013 in Papenburg eine sehr große Fördersumme für den barrierefreien Umbau bereitgestellt“, sagt Bernd Busemann.


„Wir erwarten eine schnelle, dauerhafte Lösung für den Bahnhof. Es kann nicht sein, dass hier Bahn-Passagiere mit Behinderungen oder Geh-Einschränkungen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden“, sind sich die politischen Vertreter einig. „Der Ball liegt jetzt bei der Deutschen Bahn. Wir erwarten Ergebnisse.“