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Tagesbildungsstätte und Waldschule arbeiten unter einem Dach zusammen

Gemeinsames Singen in der Schule: Bürgermeister, Lukas-Heim-Geschäftsführer, Kinder der Tagesbildungsstätte und der Waldschule sowie die Pädagogen beider Einrichtungen singen das Lied „Gottes Liebe ist so wunderbar“
Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Unterstützungsbedarf, die die Tagesbildungsstätte des Sankt Lukas-Heimes besuchen, und Grundschulkinder der Waldschule werden im Rahmen eines gemeinsamen Projektes beider Schulträger künftig die gleiche Schule besuchen.
 
Unter dem Dach der Papenburger Waldschule sollen die schulische Bildung und die persönliche Entwicklung der Kinder beider Schulen gefördert sowie das Zusammenleben behinderter und nichtbehinderter Kinder durch viele gemeinsame Aktivitäten intensiver gestaltet werden.
 
Der gemeinsame Schulalltag findet derzeit noch in getrennten Klassenräumen statt. Acht Kinder der Tagesbildungsstätte Sankt Lukas (Tabi) sind am 1. Februar in die Grundschule an der Forststraße im Stadtteil Obenende umgezogen. Grundschulleiterin Marlies Uchtmann freut sich, dass es schon viele Gelegenheiten gegeben hat, das gemeinsame Miteinander erfolgreich auszuprobieren: „Die Kinder treffen sich bei gemeinsamen Pausen an den Spielgeräten oder beim Mittagessen in der Mensa, besuchen sich gegenseitig in den Klassen und feierten auch gemeinsam Karneval.“ Sie sieht in dem Projekt eine echte Bereicherung sowohl für die Kinder, als auch für die Lehrerkollegien, die sich von Beginn an gegenseitig unterstützen.
 
Als wichtigen Schritt hin zur Inklusion sieht die Leiterin der Tagesbildungsstätte, Mechthild Eheln, die Kooperation. Inklusion werde  dabei verstanden als „Haltung, die das Anderssein eines Menschen von Anfang an als etwas Selbstverständliches akzeptiert und unterstützt.“ Ihre Schüler bräuchten einen beschützten Rahmen, müssten aber auch mit der sogenannten Normalität klarkommen. Kollegin Christa Hunfeld hebt hervor, dass die Kinder sich schnell an die neue Schulsituation gewöhnt haben. „Als Pädagogen machen wir uns natürlich viele Gedanken, wie wir die Kinder in der Eingewöhnungsphase bestmöglich unterstützen. Umso mehr hat es uns gefreut, dass die Kinder von sich aus aufeinander zugehen, miteinander spielen und Freundschaften schließen.“ So spiele ein Kind aus der Tabi-Gruppe gerne mit den Waldschulkindern Fußball, zwei weitere Kinder etwa spazierten gemeinsam über den Schulhof.  
 
Grundschulleiterin Marlies Uchtmann zeigt die Gründe auf, warum die Zusammenarbeit sinnvoll ist: „Hauptziel in der Waldschule ist es, dass die Schülerinnen und Schüler beider Einrichtungen Normalisierung und größtmögliche Teilhabe bei den täglichen Begegnungen und im Umgang miteinander auf dem Schulgelände, bei Festen und Feiern und gemeinsamen Projekten erfahren.“ Alle Beteiligten seien durchaus aufgeschlossen, sofern sich im Laufe der Zeit eine intensivere Zusammenarbeit in verschiedenen Unterrichtsfächern ergebe.
 
Beide Schulen haben sich laut Christa Hunfeld gut auf die Kooperation vorbereitet. Elternabende und Vorbereitungsgespräche beider Kollegien fanden bereits vor den Sommerferien statt und schon im vergangen Herbst hatten die Erst- bis Drittklässler der Tagesbildungsstätte erstmals ihre zukünftige Schule besucht. „Alle waren sofort begeistert und wurden mit offenen Armen empfangen“, erinnern sich die Tabi-Mitarbeiterinnen an die ersten gemeinsamen Stunden in der Waldschule. Teilweise besorgt hätten einige Eltern der Tabi-Kinder das Projekt dahingehend hinterfragt, ob die Kinder möglicherweise überfordert würden. Da jedoch Rückzugsräume zur Verfügung stehen und alle nötigen Therapien und Behandlungen weiterhin durchgeführt werden, seien solche Sorgen unbegründet.
 
Bürgermeister Jan Peter Bechtluft unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung der Kooperation. „Solche Kooperationen im Kindergarten- und Grundschulalter sind der beste Weg, Toleranz und Solidarität zu fördern und Verständnis für das Anderssein herzustellen“, so der Bürgermeister. Ziel müsse es sein, dieses Modell einer Kooperation als Standard zu etablieren.
 
Hans-Bernd Mäsker, Geschäftsführer des St. Lukas-Heimes, pflichtet dem bei. Das Thema „Inklusion“ habe durch die aktuellen Gesetzesänderungen einen neuen „Drive“ bekommen. Seine Einrichtung könne mit gleichen Kooperationen in Börger und Werpeloh schon seit etwa sechs Jahren auf gute Erfahrungen zurückblicken. „Inklusion muss als Grundlage für ein gemeinsames Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen gelebt werden“, so Mäsker. Das brauche aber seine Zeit und so müssten sich alle Beteiligten auf einen längeren Prozess einrichten. Mit Blick auf die Bildungslaufbahn von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen forderte er ein, „den Weg weiterzugehen, den weiteren schulischen Werdegang der Kinder zu betrachten und ein gemeinsames Miteinander nicht nur auf die Grundschule zu beschränken.“  Abschließend bedankte er sich bei allen Beteiligten für den engagierten Einsatz sowie für die Unterstützung durch den Landkreis Emsland und die Stadt Papenburg.